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AI7 min18.05.2026

Zutato – zehn Jahre Idee, ein Samstagabend Webseite

Am Wochenende ging zutato.com online. Die Idee dahinter begleitet mich seit fast einem Jahrzehnt – die Webseite war an einem Samstagabend fertig. Über beides ist etwas zu erzählen.

Christopher Groß
Christopher GroßFreelance Developer

Am letzten Wochenende ist zutato.com live gegangen. Noch nicht das Produkt – das kommt im Herbst. Aber die Seite, auf der man sich für die Beta vormerken kann. Und parallel haben wir die Wortmarke angemeldet.

Zwei Sätze, die sich harmlos lesen. Hinter beiden steckt mehr Geschichte, als die Webseite selbst vermuten lässt.

Was Zutato ist

Zutato ist eine Tracking-App für Lebensmittel, die nicht bei drei Makronährstoffen aufhört. Bis zu 138 Nährstoffe pro Produkt, in elf Kategorien aufgeschlüsselt, mit transparenter Quellenangabe. Wer wissen will, woher der Wert kommt, sieht es – Herstellerangabe, Berechnung, Schätzung oder Nutzereintrag.

Der Anspruch dahinter ist simpel und kompromisslos: Qualität vor Quantität. Lieber eine kleinere, sauber gepflegte Datenbasis als ein paar Millionen ungeprüfte Einträge, in denen die Hälfte falsch ist. Jedes Produkt wird vom Team geprüft, bevor es öffentlich wird. Klingt nach Mehraufwand – ist es auch. Aber wir glauben, das ist der einzige Weg, eine Datenbank zu bauen, der man bei Mikronährstoffen wirklich vertrauen kann.

Beta-Start ist Herbst 2026. Aktuell kann man sich auf zutato.com vormerken lassen, mehr nicht – und das ist auch erstmal genug.

Zehn Jahre, mehrere Anläufe

Die Idee zu Zutato begleitet mich seit fast einem Jahrzehnt. Im Footer steht nicht zufällig "© 2014 – 2026". In dieser Zeit gab es mehrere Anläufe, mehrere Prototypen, mehrere technische Sackgassen.

Es gab eine Phase, in der ich tief in OCR-Experimente abgetaucht bin – Nährwerttabellen aus Foto-Scans extrahieren, lange bevor das ein Standardproblem war, das man einer modernen KI in zwei Zeilen erklärt. Es gab Phasen, in denen ich an der Datenbasis geschraubt habe, an Synchronisations-Strategien, an Architektur-Entscheidungen, die sich Monate später als die falschen Fragen entpuppten.

Und es gab den schmerzhaftesten Lerneffekt: Eine gute Idee allein baut kein gutes Produkt. Erst das richtige Verständnis davon, was sie sein soll – und was nicht.

Das hat gedauert. Länger, als ich es mir gewünscht hätte. Aber im Rückblick ergibt jeder dieser Anläufe Sinn. Ohne die Sackgassen wäre die heutige Version nicht das, was sie jetzt ist.

Warum jetzt

Was sich in den letzten Monaten verändert hat: Die Technik ist auf einem Stand, auf dem das Produkt funktionieren kann, ohne dass man fünf Jahre Vorlauf in OCR-Pipelines, Bildverarbeitung und manuelle Datenpflege investieren muss. KI nimmt einen großen Teil der Last weg – nicht als Ersatz für menschliche Prüfung, sondern als Vor-Filter. Foto rein, Werte raus, Mensch prüft.

Das ist der Punkt, an dem das Produkt machbar wurde, ohne dass es ein zehnköpfiges Team braucht.

Aktuell sind wir zu zweit. Das fachliche Wissen über das, was im Produkt steckt, kommt aus dem Team. Ich baue.

Die Wortmarke

Parallel zum Launch der Webseite habe ich Zutato als Wortmarke angemeldet. Das klingt nach einer Fußnote. War für mich aber Neuland.

Es war meine erste Markenanmeldung, und ich habe das Verfahren ehrlich gesagt unterschätzt. Welche Klassen brauche ich? Wie eng oder breit formuliere ich das Waren- und Dienstleistungsverzeichnis? Was bedeutet "Software" in welcher Klasse, was fällt unter "Bereitstellung von Informationen"? Welche Gebühren fallen wann an? Was muss ich tun, wenn jemand Widerspruch einlegt?

Eine kleine Odyssee. Nichts Dramatisches – aber an drei Stellen habe ich mich gefragt, ob ich gerade das richtige Formular ausfülle oder ob ich in sechs Wochen eine Ablehnung zugestellt bekomme, weil ich Klasse 9 mit Klasse 42 verwechselt habe.

Inzwischen ist die Anmeldung raus. Die nächsten Monate zeigen, ob alles passt.

Ein Samstagabend für die Webseite

Bleibt der Teil, den dieser Blog am ehesten interessiert: Die Webseite selbst war an einem Samstagabend fertig.

Konkret: Nuxt 4, das ich ohnehin täglich nutze, Tailwind, die übliche Toolchain. Geschrieben mit Claude Code als Pair Programmer – so, wie ich auch grossbyte.io selbst gebaut habe. Das war kein Zufall, das war eine bewusste Entscheidung: Bekannter Stack, bekannter Workflow, bekanntes Setup. Keine Experimente an einem Abend, an dem ich Ergebnisse will.

Was bedeutet "ein Samstagabend" in der Praxis? Ein Konzept im Kopf seit Wochen, eine grobe Struktur in Notizen, klare Vorstellung von Tonalität und Farbwelt. Dann hingesetzt, mit Claude Code Sektion für Sektion durchgegangen, parallel die Inhalte fertig geschrieben – und am Ende des Abends stand die Seite. Inklusive Beta-Formular, DSGVO-konform, Impressum, Datenschutz.

Das geht nicht, weil "KI alles übernimmt." Das geht, weil drei Dinge zusammenkommen:

  • Klarheit vorher. Ich wusste, was ich baue. Keine Strukturfragen am Abend selbst.
  • Bekannte Werkzeuge. Kein einziger neuer Stack-Bestandteil. Jeder Befehl saß.
  • AI als Beschleuniger, nicht als Architekt. Claude Code schreibt schneller, als ich tippen kann – aber ich entscheide, was geschrieben wird.

Das ist im Grunde derselbe Punkt, den ich in Vibe Coding vs. Spec-Driven ausführlicher beschrieben habe. An einem Samstagabend eine Produkt-Webseite zu bauen funktioniert nicht durch Vibes. Es funktioniert, weil die Spezifikation vorher im Kopf war.

Was ich daraus mitnehme

Die Idee hat zehn Jahre gebraucht. Die Webseite einen Abend. Das ist kein Widerspruch – es ist genau der Punkt.

Das Schwierigste an einem Produkt ist nicht die Umsetzung. Es ist herauszufinden, was es eigentlich sein soll. Welche Probleme es löst, welche es bewusst nicht löst, für wen es da ist und warum. Diese Klarheit lässt sich nicht beschleunigen. Auch nicht mit KI. Sie braucht Iteration, Sackgassen, Frust, gelegentliche Aufgabe-Gedanken.

Was sich beschleunigen lässt, ist alles, was danach kommt. Sobald die Idee scharf genug ist, übersetzt sich Klarheit in Tempo – und genau da kommt der Werkzeugkasten ins Spiel, mit dem ich tagsüber Kundenprojekte umsetze. Derselbe Stack. Derselbe Workflow. Dieselbe Disziplin.

Vielleicht ist das die ehrlichste Beschreibung dessen, was grossbyte ist: Nicht "schneller durch KI", sondern "schneller, weil vorher gedacht – und dann mit KI gebaut."

Was als Nächstes kommt: Aufbau der Datenbasis, Tests mit ersten Beta-Nutzern, Feinschliff. Wenn du Lust hast, dabei zu sein – die Anmeldung läuft auf zutato.com.

Eine Idee braucht ein Jahrzehnt, eine Webseite einen Abend. Wer beides verwechselt, baut entweder zu schnell – oder gar nicht.

Christopher Groß
$ whoami

Christopher Groß

Fullstack Developer & AI Orchestrator aus Hamburg

Christopher Groß baut seit über 20 Jahren Webanwendungen für Startups und Agenturen. Sein Fokus liegt auf Vue.js, Nuxt und AI-gestützter Entwicklung. Er glaubt an sauberen Code, klare Specs und Kaffee in rauen Mengen.

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